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Roadtrip im Improvisationsmodus

Zwischen Traumkulissen, Campingplatz-Lotterie und der Kunst des spontanen Umplanens

Der nächste geplante Zwischenstopp irgendwo zwischen Bilbao und Santander klang auf dem Papier hervorragend. Die Bilder im Internet versprachen Meer, Natur und entspannte Campingatmosphäre. Die Realität hatte allerdings andere Pläne.
Der Campingplatz lag eingeklemmt zwischen Apartmenthochhäusern und einem Industriegebiet. Direkt am Eingang graste eine Herde Pferde vor sich hin und das Meer schien ungefähr genauso weit entfernt wie unsere ursprüngliche Reiseroute inzwischen. Selbst für eine Nacht fühlte sich das falsch an.

Es musste eine Entscheidung her. Der eigentlich erst für den nächsten Tag geplante Campingplatz im Nationalpark der Picos de Europa lag zwar nur 145 Kilometer entfernt – allerdings mit gemütlichen zweieinhalb Stunden Fahrzeit über kurvige Bergstraßen.
Was soll’s.
Die Fahrt entpuppte sich als eines dieser Roadtrip-Geschenke, die man nicht planen kann: enge Schluchten, spektakuläre Aussichten und schneebedeckte Gipfel am Horizont. Irgendwann am späten Nachmittag erreichten Joiz und ich schließlich den Campingplatz La Viorna.
Problem Nummer eins: Wir waren einen Tag zu früh.
Problem Nummer zwei: Offenbar alle anderen auch.
An der Rezeption wurde die Hoffnung auf einen regulären Stellplatz innerhalb weniger Minuten pulverisiert. Für heute komplett ausgebucht. Alles voll.
„Ihr könnt euch für eine Nacht auf den Seitenstreifen stellen.“ Natürlich konnten wir das. Denn manchmal trennt nur ein Seitenstreifen zwischen Frustration und Urlaubsglück. Und Urlaubsglück gab es reichlich: Pool, hervorragendes Restaurant und Sanitäranlagen, die eher an ein Boutique-Hotel als an einen Campingplatz erinnerten. Hier ließ es sich problemlos aushalten – selbst bei 36 Grad tagsüber und Nächten, die nicht einmal unter 20 Grad fielen. Während andere Menschen bei diesen Temperaturen leiden, perfektionierten Joiz und ich das Schattenmanagement und genossen den Blick auf die Berge.
Nach drei Nächten ging es weiter Richtung Portugal. Zumindest theoretisch.
Praktisch stellte sich der nächste geplante Zwischenstopp bei León erneut als Volltreffer heraus – allerdings in der Kategorie Enttäuschung. Verlassen, heruntergekommen und ungefähr so einladend wie eine Mitropa Raststätte kurz nach dem Fall der Mauer. Aus den geplanten 230 Kilometern wurden am Ende fast 400. Roadtrip-Mathematik funktioniert eben anders.

Also weiter bis nach Bragança in Portugal. Dort liegt der Campingplatz wunderschön in einem Nationalpark – inklusive außergewöhnlichem Restaurantkonzept.
Denn hier kann  man nicht einfach essen gehen. Nein. Hier muss man sich für einen 15-Minuten-Slot eintragen. Und pro Slot gibt es genau einen Eintrag. Als ich am Nachmittag ankam, war nur noch der für 21:45 Uhr verfügbar. Mein Magen bewertete diese Information äußerst kritisch und stufte sie in die Kategorie „killer-Argument“ ein. Da sich die Reservierungssituation auch für den nächsten Tag nicht wesentlich besser anhörte, fiel die Entscheidung schnell: eine Nacht bleiben, dann weiter.

Nächster Versuch: Guarda.

Immerhin die höchstgelegene Stadt Portugals und damit statistisch betrachtet eine gute Gelegenheit, der Hitze etwas zu entkommen. Nach dreieinhalb Stunden Fahrt kamen wir an. Der kommunale Campingplatz mitten in der Stadt war geschlossen. Natürlich war er das. Andere Alternativen? Fehlanzeige.
Also begann die mittlerweile vertraute Disziplin des kreativen Umplanens. Zurück nach Spanien. Nochmal 280 Kilometer. Nochmal dreieinhalb Stunden.
Ziel: ein Campingplatz im Monfragüe-Nationalpark.

Der Platz hatte seine besten Jahre zwar offensichtlich bereits hinter sich, aber manchmal braucht es gar nicht viel. Ein geöffnetes Restaurant, ein schattiger Platz, ein frisch gezapftes kaltes Bier und Pizza ohne Reservierung. Perfekt!

Nach einem weiteren Tag mit fast 38 Grad und einer weiteren tropischen Nacht ging es am Sonntag weiter Richtung Sevilla. Jetzt stehen Joiz und ich auf einem angenehm schattigen Platz irgendwo zwischen Sevilla und Huelva.
Am Dienstag soll es weiter nach Tarifa gehen. Dort wollen wir – und mit „wir“ meine ich weiterhin Joiz und mich – vermutlich eine Woche bleiben.
Vermutlich.
Denn diese Reise hat inzwischen ziemlich deutlich gemacht: Je genauer man plant, desto kreativer antwortet der Zufall.

One Life. Live It!

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