Es war dieser erste warme Frühsommertag, als unser Hero Camper in seiner Scheune zu gähnen begann. Man konnte es förmlich hören: ein langgezogenes „Neeeever… stoooop… exploring…“ murmelte es von der Aufschrift auf seiner Frontseite, die schon eine dicke Staubschicht und ein paar ambitionierte Vogelnester zierte. Bis zur geplanten Tour Anfang Juli nach Rognan, nördlich des Polarkreises, will er aber nicht warten und drängt auf einen Testlauf. Der Ruf der Wildnis war deutlich – oder zuerst folgen wir dem Ruf der Waschbox in Hude.
Kapitel 1: Die Wiederauferstehung
Bevor es richtig losgehen konnte, führte die erste Etappe unseres Abenteuers über den ländlichen Asphalt zur Waschbox in Hude. Dort wurde nicht nur der Winterschmutz entfernt, sondern auch das eine oder andere Hühnerfeder-Andenken aus der Scheune. Frisch geduscht und mit mehr Wachs als ein italienischer Discobesucher in den 80ern, durfte unser Hero dann noch einmal kurz zurück in die Scheune – auf Bewährung sozusagen.
Während er dort vor sich hin glänzte, begaben wir uns auf Schatzsuche im heimischen Keller: Wo war nochmal das Stromkabel? Und hatten wir nicht letztes Jahr vorgehabt, die Küchenutensilien „systematisch zu verstauen“? Spoiler: Wir hatten uns wahrscheinlich zu sehr auf das Picasso System verlassen.
Kapitel 2: Endlich on the road – die Reise beginnt
Am 14. Juni dann der offizielle Startschuss. Wetterbericht: mildes Optimismus-Tief mit Aussicht auf Besserung. Ziel: Huttopia de Veluwe, ein Ort mit einem Namen wie aus einem Harry Potter-Band, gelegen in einer wunderschönen Wald- und Dünenkulisse, die selbst unseren Land Rover gefiel.
Dort angekommen, erwarteten uns großzügige Stellplätze ganz ohne ChiChi, aber mit viel „Aaahhh“. Das erste frischgezapfte belgische Bier nach dem Aufbau – unbezahlbar (ich habe trotzdem 4€ auf am Tresen gelassen).
Kapitel 3: Pizza, Philosophie und andere Religionen
Samstagabend ist bei Huttopia Pizzazeit – und zwar nur Samstagabend. Das weiß natürlich jeder, also stellen sich auch wirklich alle an. Die Wartezeit reicht aus um einmal „Krieg und Frieden“ zu lesen – lohnt sich aber: Die Pizza ist göttlich. Joiz, mein haariger Reisebegleiter und persönlicher ZEN Meister, konnte das nur bestätigen. Nach 2 weiteren Leffe Blonde für mich und ein paar Streicheleinheiten für Joiz von unseren Tischnachbarn fielen wir beide in eine glückselige Pizzakoma-Nacht.
Der Sonntag begann spirituell – mit der verzweifelten Suche nach einer offenen Bäckerei. Die Rezeption klärte mich auf: Veluwe ist streng katholisch, was offenbar auch die Öffnungszeiten der Croissantquellen beeinflusst. Doch Amersfoort, eine charmante Mischung aus Giebelhäusern und „Sonntagmorgens schlafen noch alle“-Atmosphäre, rettet mich. Am Varkensmarkt(!) fand ich ein französisches Café – Wasser für Joiz, Kaffee und Croissant für mich. Der Tag war gerettet.
Der Rest? Ein Mix aus Lesepause, Lebenskontemplation und einem Hauch Tai Chi bei Sonnenuntergang. Oder zumindest das, was ich für Tai Chi halte. Joiz sah’s gelassen.
Kapitel 4: Bezahlen bei PLUS ist auch nicht das, was es sein könnte
Am Montag wagte ich mich in den PLUS Markt von Harskamp, wo ich lernte, dass moderne Zahlungsmittel nur dann etwas taugen, wenn sie auch akzeptiert werden. Kreditkarten werden hier nicht akzeptiert und auch die Bezahlung mit meiner Commerzbank Debitcard auf der Apple Watch wurde umgehend abgelehnt. Also eben kein Brot für Bit & Byte – sondern Bares für Wahres.
Kapitel 5: Harderwijk – schön, aber leider sehen das nicht alle so
Dienstag stand Harderwijk auf dem Programm, ein pittoreskes Städtchen am Veluwemeer mit Kopfsteinpflaster, kleinen Boutiquen und einer entspannten Stimmung die begeistert. Leider war Joiz anderer Meinung: Stadtbesichtigungen findet er, sind in seinem Alter eher eine unfaire Umverteilung von Spazierzeit und die sollte eher nicht so lange ausfallen. Also blieb der Aufenthalt kürzer als geplant. Aber: schön war’s trotzdem.
Kapitel 6: Der Countdown läuft
Jetzt bleiben noch anderthalb Tage Veluwe, bevor es weitergeht zum 50-jährigen Jubiläum des Deutschen Land Rover Clubs in Stadtoldendorf. Dort, so hoffe ich, darf man endlich wieder ein richtiges Lagerfeuer entfachen – echtes Holz, echtes Knistern, echtes Camper Glück.
Bis dahin bleibt es sonnig, trocken und voller kleiner Anekdoten, die das Campingleben ausmachen. Oder, um es mit unserem Camper zu sagen: Never. Stop. Exploring. …auch wenn der Weg erstmal zur Waschbox führt.
One Life. Live It!
Das klingt nach einem wunderschönen Start einer spannenden Reise!!!