… und kaltes Bier
Mittlerweile haben wir mehr als 4.000 Kilometer zurückgelegt und unser vorläufiges Ziel erreicht: Tarifa. Der südlichste Punkt unseres Roadtrips und gefühlt auch der Ort, an dem Europa langsam in Afrika übergeht.
Vorher legten wir allerdings noch einen kurzen Zwischenstopp in Conil ein, um alte Freunde zu treffen, die dort gerade ihren Urlaub verbrachten. Die Fahrt dorthin verlief weitgehend ereignislos. Autobahnen haben schließlich ungefähr den Unterhaltungswert einer Bedienungsanleitung. Dafür kommt man schnell voran.
Eine Beobachtung fiel allerdings sofort auf: Die Windschutzscheibe blieb erstaunlich sauber.
Keine Schwärme von Insekten, keine biologischen Kollateralschäden, keine Notwendigkeit, alle paar Minuten den Scheibenwischer zu bemühen. Auf der Strecke nach Sevilla war das noch ganz anders gewesen. Dort sah die Frontscheibe regelmäßig aus wie das Ergebnis einer missglückten Fliegenkonferenz. Dass auf der aktuellen Strecke deutlich mehr intensive Landwirtschaft betrieben wird als anderswo, ist natürlich nur eine Randnotiz. Ein möglicher Zusammenhang mit dem Einsatz von Pestiziden wäre selbstverständlich rein zufällig.
In Tarifa angekommen bezogen Joiz und ich Quartier auf dem Campingplatz Torre de la Peña. Mit etwas Glück ergatterten wir einen schönen Platz unter schattigen Bäumen. Gerade rechtzeitig schafften wir es noch, das Dachzelt aufzuklappen. Für die Markise reichte der Platz zwar nicht mehr, aber irgendwann lernt man auf Reisen, Prioritäten zu setzen. Schatten für das Dachzelt schlägt Schatten für die Campingstühle. Den Platz kennen wir bereits seit 24 Jahren und erfreulicherweise hat sich kaum etwas verändert. Die Sanitäranlagen sind nach wie vor gepflegt, die Atmosphäre entspannt und die kleine Bar direkt am Wasser serviert weiterhin eiskaltes, frisch gezapftes Cruzcampo.
Mehr braucht es manchmal nicht zum Glücklichsein.
Direkt neben unserem Stellplatz standen Michael und Robert, zwei passionierte Windsurfer, die mich geduldig in die Feinheiten ihrer Sportart einweihten. Zumindest so lange, bis ich den Überblick verlor.
Früher gab es Windsurfen.
Dann kam Kitesurfen.
Heute gibt es Wingsurfen.
Morgen vermutlich irgendetwas mit einem Segel, einer Drohne und künstlicher Intelligenz. Die Entwicklung scheint jedenfalls ungebremst weiterzugehen. Die klassischen Windsurfer reagieren darauf unterschiedlich. Einige steigen begeistert aufs Wingsurfen um, andere betrachten die neuen Sportarten ungefähr so wohlwollend wie Oldtimer-Besitzer einen Tesla. Tarifa selbst bleibt dabei das Mekka der Windverrückten. Überall sieht man Segel, Kites und Wings über das Wasser fliegen, während der Levante-Wind zuverlässig dafür sorgt, dass niemand lange stillsteht. Die sechs Tage vergingen entsprechend schnell. Fast zu schnell.
Schon stand die Weiterfahrt nach Málaga auf dem Programm.
Unser neuer Campingplatz liegt in den Bergen oberhalb der Stadt. Klein, staubig und mit einer Stromversorgung, die vollständig off-grid betrieben wird. Strom ist hier kein Grundrecht, sondern eine begrenzte Ressource. Alternativen gibt es allerdings kaum. Entweder man landet auf den großen Campinganlagen direkt am Meer – laut, teuer und ausgestattet mit Animationsprogramm, Karaoke-Abenden und Parzellen, die eher an Parkplätze erinnern.
Oder eben hier.
Wir entschieden uns für „oder eben hier“.
Und ehrlich gesagt passt das ganz gut.
Die nächsten sechs Tage verbringen wir in Málaga und nehmen am europäischen Get-Together unserer Kampfsportschule teil. Danach geht es gemeinsam mit Camilla noch einmal zurück nach Tarifa. Zumindest lautet so der aktuelle Plan. Und wie zuverlässig Pläne auf dieser Reise sind, haben wir inzwischen mehrfach erfahren.
Bis dahin genießen wir die Sonne, die Hitze und das entspannte Leben unter Andalusiens Himmel.
Das Bier ist kalt.
Die Stimmung ist hervorragend.
Und Joiz hat inzwischen endgültig verstanden, dass dieser Roadtrip wahrscheinlich noch einige Überraschungen für uns bereithält.
One Life. Live It!
Das Leben ist schön😎 🙏 Wunderbar, dass du bei uns vorbeigekommen bist.🤩 Bis hoffentlich bald, ganz liebe Grüße an Camilla! Pit und Astrid.😘