Zeit zum Nachdenken

Jetzt sind wir also in unserem „Winterquartier“ gelandet. Klingt ein bisschen nach Zirkus, isses aber nicht. Nach all den häufigen Ortswechseln und Dachzeltnächten ist es ungewohnt für die nächsten 3 Monate an einem Ort zu sein. Unser kleines Haus liegt in einem Olivenhain nicht weit vom Meer entfernt. Für Joiz gibt es ein paar Katzen auf dem Grundstück, für mich einen Kamin und für Camilla eine Dachterasse zum meditieren. So ist für jeden was dabei. Die Eltern von Pantelis unserem Vermieter, Kate und Lefteris sind super nett und verwöhnen uns mit kleinen Aufmerksamkeiten, wie z.B. Kuchen oder frischen Mandarinen. Lefteris hat uns schon einiges über seine Vergangenheit und die seiner Familie erzählt, wobei Camilla’s (Nach-)Fragen sicherlich einiges dazu beigetragen haben.

Unser “Heim* für die kommenden Monate

Um’s kurz zu machen – wir fühlen uns hier sauwohl.

Ob das 3 Monate lang anhält wird sich allerdings zeigen. Wir waren gerade einen Tag hier, dann sind wir schon einer Empfehlung Leftaris folgend in die Schlucht der Toten getrottet. Echt cool, allerdings mit uns Dreien schon total überlaufen :). Nein im Ernst, es war sehr beeindruckend und Joiz war in seinem Element. Nach 2 Stunden gab’s dann ein Essen in der Zakros Bay Taverna, direkt am Strand. Kitschig schön. Ein Gemüseauflauf für Camilla, Moussaka für mich und eine Katze für Joiz – was kann es schöneres geben?

Die Idee Matschig Mike’s eingedellten Kotflügel in Sitia reparieren zu lassen lässt sich leider nicht in die Tat umsetzen. Ausbeulen geht bei Aluminium nicht (wieder was gelernt) und ein neuer Kotflügel ist aufgrund der hohen Einfuhrsteuern in Griechenland zu teuer. So muss Mike halt mit der eingedrückten Wange noch durchhalten bis wir (irgendwann) wieder in Deutschland sind. Wir haben aber für nächsten Monate eine Perle der koreanischen Automobilindustrie – einen alten Hyundai Accent gemietet. Damit fallen wir in den kommenden 3 Monaten garantiert NICHT auf. Aber was soll’s, die Karre läuft und hat eine Heckklappe um Joiz den  bequemen Ein- und Ausstieg zu ermöglichen. Der Vermieter hat sich über das „Weihnachtsgeld” von 1.000€ cash auf die Kralle gefreut und Mike hat bis Ende Februar Ruhe.

Jetzt haben wir auch ausreichend Zeit uns darüber Gedanken zu machen wie lange unsere Reise noch dauern soll und was wir im Anschluss daran machen wollen. Eines steht für uns allerdings fest, wir wollen nicht wieder in die gleiche Tretmühle zurück aus der wir ausgebrochen sind. Das sagt sich so einfach – ist es aber nicht. Wir werden in absehbarer Zeit wieder Geld für unseren Lebensunterhalt verdienen dürfen. Zwar ist in Ländern wie z.B. Marokko das Leben sehr günstig und die „Abwesenheit“ fixer monatlicher Kosten wie Wohnungsmiete, Heizung, Strom etc. helfen dabei mit wenig(er) Geld auszukommen, aber irgendwann hat das eben auch ein Ende. Für uns stellt sich die Frage was wir wann und wo tun wollen. Für das „was“ haben wir eine Menge Ideen. Einige benötigen ein nicht unerhebliches Startkapital (das dann natürlich vorhanden sein muss), andere liessen sich mit weniger Kapital umsetzen wobei der Erfolg nicht abzuschätzen ist. Aber jetzt haben wir Zeit all die Ideen und Vorstellungen zu konkretisieren, Businesspläne zu erstellen und uns noch mehr darüber im Klaren zu werden wie wir die kommenden Jahre verbringen wollen.

Diese Reise hat uns geprägt und verändert. Themen wie Nachhaltigkeit oder Umweltschutz und die intensive(re) Wahrnehmung der Menschen und Ihrer Lebensgeschichten um uns herum haben Spuren hinterlassen. Ich habe die digitalen Ausgaben verschiedener Zeitungen (New York Times, Washington Post, Guardian, Die Welt) abonniert und  beim täglichen Blick in die Nachrichten kann ich nur den Kopf schütteln. Es kotzt mich an, das die Welt überwiegend von alten, gierigen Männern regiert wird, die die Auswirkungen Ihrer jetzt getroffenen Entscheidungen nicht mehr erleben werden. Wir sehen jeden Tag den ganzen Plastikmüll an den Stränden, erleben den Klimawandel und staunen über eine die Wirtschaft hoffierende Politik in der er nur um Wachstum und Gewinnmaximierung geht. In Deutschland sollen Wälder abgeholzt werden um noch mehr Braunkohle abzubauen und in den USA werden die hart erkämpften Umweltschutzbestimmungen von einem tumben, Egozentriker per Dekret einfach wieder abgeschafft. Mir fehlt das Verständnis dafür, mit  welcher stoischen Ruhe ein grosser Teil der Bevölkerung diese Entwicklungen akzeptiert.

2 thoughts on “Zeit zum Nachdenken

  1. Ach ja, Elona und ich begleiten euch in Gedanken. Und eure Gedanken gefallen uns. Wir hofften insgeheim,dass ihr hinterm Horizont links abbiegt und wir uns evtl. in Marokko treffen. Habt es schön. Ignaz

    1. So schön von euch zu hören, wir wünschen euch einen guten Trip und wer weiß … wir sind dann auch gespannt auf euren Reisebericht und idealerweise bei einem Glas Wein zusammen. Herzliche Grüße nach Berlin!

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