Alles hat ein Ende.
Leider auch unser Roadtrip.
Nach 52 Tagen und 7.950 Kilometern rollten wir wieder Richtung Heimat. Von Bremen über Bayern, Frankreich, Spanien und Portugal und wieder zurück. Eine Reise, die uns einmal quer durch Westeuropa führte – und temperaturtechnisch gleich durch alle Jahreszeiten. Von frostigen 1 °C im Dachzelt bis zu schweißtreibenden 43 °C im Süden war wirklich alles dabei. Wir haben gefroren, geschwitzt, geflucht, gelacht und vermutlich mehr Campingplätze gesehen als so mancher Wohnmobilfahrer.
Der heimliche Held der Reise ist allerdings unser 15 Jahre alter Defender. 300.000 Kilometer auf dem Tacho und kein einziger Aussetzer. Wer Land Rover kennt, weiß, dass diese Aussage ungefähr den Seltenheitswert einer staufreien Autobahn am ersten Ferientag besitzt. Offenbar wollte er uns beweisen, dass Alter eben doch nur eine Zahl ist.
Nach Saint-Jean-de-Luz gönnten wir uns noch ein paar entspannte Tage am Lac de Carcans. Der riesige Süßwassersee versprach Erfrischung. Bei 28 Grad Wassertemperatur war das allerdings eher ein Wellnessbad als eine Abkühlung. Unser Stellplatz lag herrlich schattig mitten in einem Pinienwald. Genau der richtige Ort, um den hohen Temperaturen zu entkommen.
Das fanden allerdings auch die Ameisen.
Offenbar hatte sich inzwischen herumgesprochen, dass unser Defender ein ausgezeichnetes Hotel für Insekten aller Art ist. Egal, wie sorgfältig wir aufräumten – irgendwo tauchte garantiert wieder eine Horde Ameisen auf und erinnerte uns daran, wer hier eigentlich die wahre Natur genießt.
In Bordeaux trennten sich unsere Wege. Camilla trat von dort aus die Heimreise nach Bremen an und tauschte Wein, Sonne, Tapas und Austern wieder gegen Meetings, Termine und den ganz normalen Arbeitsalltag. Joiz und ich verlängerten den Urlaub dagegen noch ein wenig und machten uns auf den Weg zur Île de Ré.
Vier herrlich entspannte Tage direkt am Atlantik.
Keine Termine.
Kein Zeitdruck.
Dafür Strand, Sonne und das beruhigende Geräusch der Wellen.
Genau so hatten wir uns das vorgestellt.
Im Anschluss führte uns der Weg an die Loire nach Saumur, wobei schon die Anfahrt ein Erlebnis war.
Links und rechts reihten sich Weingüter und Crémant-Kellereien aneinander. Fast jedes zweite Schild versprach „Dégustation“ oder „Vente“. Es wirkte beinahe wie ein freundlicher Wettbewerb darum, wer den Reisenden zuerst zum Anhalten überreden konnte. Wir waren leichte Beute.
Der Campingplatz von Huttopia liegt hoch über der Loire und gehörte ohne Zweifel zu den schönsten der gesamten Reise. Morgens wurden wir mit einem Sonnenaufgang über dem Flusstal belohnt, abends herrschte eine Ruhe, die man fast hören konnte. Natürlich musste der örtliche Crémant ausgiebig getestet werden. Praktischerweise konnte man ihn perfekt gekühlt direkt an der Rezeption kaufen. Ein Service, wie wir ihn mögen.
Doch so gut der Crémant auch war – irgendwo meldete sich eine innere Stimme.
„Champagner ist trotzdem besser.“
Was lag also näher, als den nächsten Zwischenstopp gleich in die Champagne zu verlegen? Der Campingplatz in Villeneuve-sur-Aisne erwies sich als idealer Ausgangspunkt. Umgeben von Holländern und Engländern auf der Heimreise fehlte eigentlich nur noch eines. Richtig. Ein gut gekühltes Glas Champagner. Damit war auch dieses Kapitel unserer Reise standesgemäß abgeschlossen. Von dort ging es nur noch über einen letzten Zwischenstopp im niederländischen Herkenbosch zurück nach Bremen.
Und plötzlich war sie vorbei.
Acht Wochen unterwegs.
Fast 8.000 Kilometer.
Unzählige Sonnenuntergänge.
Neue Freundschaften.
Großartige Landschaften.
Fantastische Campingplätze … und ein paar weniger fantastische Campingplätze.
Sehr viel gutes Essen.
Noch mehr guten Wein.
Und ein Dachzelt, das seine Feuertaufe mit Bravour bestanden hat.
Jetzt bleiben wir erst einmal zwei Wochen in Bremen. Wäsche waschen. Den Defender vom halben Kontinent befreien, für den TÜV vorbereiten und den Alltag langsam wieder kennenlernen.
Bis Ende des Monats. Denn dann geht es schon wieder los. Wohin? Keine Ahnung (naja stimmt nur zu 50%).
Denn eines haben wir auf dieser Reise endgültig gelernt: Je sorgfältiger man plant, desto kreativer arbeitet der Zufall. Und genau deshalb freuen wir uns schon auf das nächste Abenteuer.
One Life. Live It!
Vielen lieben Dank für das mitnehmen auf die Reise. Bleibt gesund und beste Grüße an Camilla!🙋🏻♂️